Laienspielgruppe Laudenbach: "Hier sind Sie richtig"
Dienstag, 09. März 1999
Keine Minute Langeweile im neuen Laudenbacher Theaterstück
V.S.F. sorgt für allerlei Wirbel
LAUDENBACH
Um vier Frauen und
vier per Annoncen ge-
suchte Männer geht es
im Lustspiel "Hier sind
Sie richtig".
VON JÜRGEN KAMM
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Bis auf den letzten Stuhl war der Laudenbacher Rathaussaal bei der Premiere der Laienspielgruppe besetzt.
Die Zuschauer kamen auf ihre Kosten. Während des zweieinhalbstündigen Stückes in drei Akten gab es viel zu lachen,
und nicht für eine Minute kam Langeweile auf.
Paris in den 50er Jahren: Die ehemalige Schauspielerin Georgette hat ihre Wohnung untervermietet an eine Malerin
und eine Pianistin, die sich gegenseitig auf die Nerven gehen. Zimmerwirtin Georgette hat genug von allem.
Und das Zimmermädchen will heiraten.
Das ist die Ausgangslage im Lustspiel "Hier sind Sie richtig" von Marc Camoletti, das sich die Laienspielgruppe
Laudenbach für ihre diesjährige Spielzeit ausgesucht hat. "Wir spielen heute erstmals mit unserer neuen Lichtanlage",
ließ Regisseur Karl-Heinz Stumpf die Zuschauer wissen. Als weitere Neuerung spielten die Schauspieler nicht im Dialekt,
sondern sprachen hochdeutsch. Ein altes Problem quält die Laienspielgruppe: Zu wenig männliche Darsteller.
Wenn vier unter einem Dach lebende Frauen Annoncen aufgeben, ohne sich abzusprechen, sind Verwechslungen
vorprogrammiert. Das Stück - es spielt in einem vornehmen Salon - lebt davon. Malerin Jacqueline sucht einen
gut gebauten Mann als Modell für ihr Bild von einem römischen Festmahl, in dem noch ein "Spartacus" fehlt.
Die Zeit drängt, will sie damit doch einen Wettbewerb gewinnen. Julia Sandrock spielt die gleichermaßen anspruchsvolle
wie forsche Malerin wunderbar.
Zimmerwirtin Georgette sucht schlicht einen Mieter. Sie will aufs Land ziehen, in das Anwesen ihres vierten
verstorbenen Ehemanns, um dort "römische Landfeste" feiern zu können. Marliese Stumpf schafft es, in der Rolle
der vom Ruhm zehrenden Schauspielerin, gleichermaßen mitleidserregend wie temperamentvoll zu wirken.
Pianistin Janine braucht vor allem Geld und sucht deshalb Klavierschüler. Sabrina Häcker läßt die Pianistin
teils abgehoben, teils kratzbürstig wirken.
Ihnen allen rät Perle Berthe zu einer Zeitungsanzeige, denn "was riskieren Sie schon?". Das denkt sie sich schließlich
auch und inseriert für eine "Bekanntschaft zwecks Heirat". Gekonnt füllt Nadine Mees die Rolle des unscheinbaren und
dennoch gewitzten Zimmermädchens aus.
Alle vier Damen lassen ihre Annonce mit der Abkürzung "V.S.F." enden. Das heißt "Voraussetzung schöne Füße",
erklärt Malerin Jacqueline. Für Zimmerwirtin Georgette stehen die Buchstaben für "Vorbedingung solide Familie".
Pianistin Janine verspricht die "Vorbereitung sicherer Fingerfertigkeit". Und Perle Berthe gibt sich als Kinofan
mit "Vorliebe sentimentale Filme" zu erkennen.
Prompt trifft denn auch Modell "Spartacus" auf Pianistin Janine und entblößt sofort seine Füße.
Wirtin Georgette bedauert es beim Betrachten und Befühlen dieses Adonis', noch nicht auf dem Lande
zu weilen. Der eitle Künstler wird von Erich Stumpf mit dem nötigen Stolz gut verkörpert.
Während Janine noch ein Stundenhonorar verlangen will, faßt "Spartacus" die von Georgette geforderte Miete
als monatliche Entlohnung samt Kost und Logis auf. Heiratskandidat Bertrand wird von Georgette empfangen.
Er will keinesfalls mit dieser alten Schachtel in sentimentale Filme gehen. Marc Sigmund brilliert in dieser Rolle.
Der nächste Kandidat, Mieter Bernard, ist zwar schüchtern, muß sich vor der unerbittlichen Jacqueline aber entkleiden,
was er völlig mißversteht. Das Publikum lacht Tränen, wenn sich Edgar Brühler als Bernard erst ziert und später
zum Draufgänger wird.
Jacqueline hat mit dem vorsprechenden Klavierschüler Jean ein leichtes Spiel. Zufrieden ist diese mit dem
"konturlosen Klumpen" allerdings nicht, eine Rolle, die niemandem schmeichelt, Michael Langhirt spielt sie
dennoch überzeugend.
Natürlich entwirrt sich das Knäuel am Ende schließlich.
Weitere Vorstellungen von "Hier sind Sie richtig" gibt die Laienspielgruppe am Wochenende, am Freitag und Samstag
jeweils um 19.30 Uhr und am Sonntag um 15.30 Uhr. Karten können unter
(0 93 53) 33 82 und ab 16 Uhr unter (0 93 53) 46 22
vorbestellt werden. Den Erlös wird die Laienspielgruppe für gemeinnützige Zwecke stiften, so spendete sie bereits
4 000 DM für den Laudenbacher Brunnen und ein Spielgerät am Biergarten.
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Quelle: MAIN-POST, Ausgabe vom Dienstag, 09.03.1999
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