Laienspielgruppe Laudenbach: "Der verhinderte Casanova"
Mittwoch, 07. Dezember 1994
Laienspieler zeigen "Der verhinderte Casanova"
Komödie geschickt auf
Laudenbach zugeschnitten
LAUDENBACH
Ist der Bürgermeister ein,
Lüstling? Alles deutete in
der Laudenbacher Theater-
aufführung des Lüstspiels
"Der verhinderte Casano-
va" darauf hin.
VON GERTRUD SAUER
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Die Verwechslungskomödie stammt aus der Feder von Walter G. Pfaus, wurde aber unter der Leitung von Friedrich Diel
und Karl-Heinz Stumpf an Laudenbacher Verhältnisse angepaßt. Denn ein wenig Lokalpolitik auf der Bühne ist immer
für einen Lacher gut.
So sagte zum Beispiel Edgar Brühler als Busenfreund Thomas des Laudenbacher Bürgermeisters: "Wenn wir erst einmal
bei Karlstadt sind, wird bei uns gar nichts mehr investiert. Da bekommen wir nur noch die alten Busblechhäuschen,
die die Karleberger nicht mehr wollen". Die Äußerung muß man sich jetzt noch im Dialekt vorstellen, wie ihn Edgar
Brühler und Erich Stumpf lebendig in der Premiere einsetzten, dann kann man sich die ausgelassene Stimmung im alten
Rathaussaal in Laudenbach wohl vorstellen.
Marliese Stumpf als Frau Bürgermeister Luise Labacher hielt sich mit Laudenbacher Mundart zurück. So auch Silke
Mehling als deren Tochter Eva, die mit ihren 14 Jahren wohl zum ersten Mal auf der Bühne stand. Es hat sich bewährt,
lieber aufrichtig die eigene Umgangssprache zu benutzen, als einen Dialekt gekünstelt nachzuahmen. Marliese Stumpf
wirkte auch so recht originell.
Ihr leuchtendrotes Blumenkleid unterstrich geschickt ihre Bühnenpräsenz. Eifrig spann sie die Rachepfäne der
vermeintlich ausgedienten Gattin. Sie fuchtelte mit der Schere, daß jeder Mann zusammenzucken muß und lästerte über
den außer- und innerehelichen Sex ihres Mannes, daß der Saal nur so schallte vor Lachen.
Dabei stand ihr Brigitte Langhirt als Freundin Hanna in nichts nach. Sie amüsierte in der Rolle der geistig
weniger Fixen mit einem ulkigen Stottern und gurgelndem "R".
Noch eine Stufe langsamer von Begriff schien Josef Hartmann als Sportvereinsvorsitzender Boris Dregger zu sein.
Allein seine Statur von bestimmt zwei Metern Länge mit Hängeschultern und Schafsblick brachte die Zuschauer zum
Glucksen.
Als Liebestrunkener gab es mit der "Essig" besoffenen Julia Sandrock ein Pärchen ab, das schon durch sein Äußeres
bestach. Kaum zu glauben, daß sich hinter der mittelalten Damenrolle eine 14jährige Jugendliche Julia Sandrock verbarg.
Eine bemerkenswerte Leistung der Maskenbildnerin Susanne Ittensohn.
Überhaupt waren die Kostüme mit Liebe zum Detail und Sinn fürs karrikaturhaft Typische gewählt. Zum Beispiel zeigte
Roswitha Wörrlein als sexy Halbweltdame Rosi gewagt viel Bein.
Ihr zwielichtiger Begleiter war auch mit schwarzer Sonnenbrille sofort vom jauchzenden Publikum als Horst Wittstadt
erkannt. Spritzig und routiniert nahm er immer wieder den Blickkontakt zum Publikum auf. Ob er das im Wahlkampf gelernt
hat?
Die Zuschauer haben das Laudenbacher Lustspiel hörbar genossen, sogar mit Bravo-Rufen wurde beim anhaltenden
Schlußapplaus nicht gegeizt.
Weitere Aufführungen sind noch am 9., 10. und 11. Dezember jeweils um 19.30 Uhr im alten Rathaus in Laudenbach.
Karten sind noch ein paar wenige zu haben.
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Quelle: MAIN-POST, Ausgabe vom Mittwoch, 07.12.1994
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